Kurzexposé "Unterirdische Wassaufbereitung"
Die unterirdische Wasseraufbereitung benötigt nur wenige, einfach zuhandhabende Verfahrensschritte:
- Trinkwasser wird einem Vorratsbehälter entnommen und durch eine intensive Belüftung mit
Umgebungsluft mit Sauerstoff angereichert.
- Das angereicherte Wasser wird über eine Brunnenanlage in das Grundwasser gepumpt.
- In einer Ruhephase laufen unterirdisch die chemischen und biologischen Prozesse ab, die zu
einer Oxidation und Ablagerung der unerwünschten Wasserinhaltsstoffe
führen.
- In der anschließenden Förderphase wird ein mehrfaches der zuvor in das Grundwasser gepumpten
Wassermenge in Trinkwasserqualität aus dem Brunnen gefördert. Es dient zum einen der Versorgung
der Bevölkerung und zum anderen der Zufuhr zu einem anderen Brunnen, der sich jetzt in der
Anreicherungsphase befindet.
Vorteile gegenüber konventionellen Verfahren:
- Die unterirdische Aufbereitung von Grundwasser verlegt die bei der herkömmlichen Aufbereitung
mittels Belüftung und Schnellfilltration oberirdisch ablaufenden Aufbereitungsprozesse in das
Grundwasser, so daß keine Abfallprodukte in Form von Schlämmen anfallen, welche den
Betreiber vor das Problem der umweltgerechten und kostengünstigen Entsorgung stellen.
Da bei diesem naturnahen Aufbereitungsverfahren lediglich Sauerstoff als Oxidationsmittel
verwendet wird, kann auf den Einsatz von umweltschädlichen Chemikalien vollständig
verzichtet werden. Zusätzlich zu chemischen Aufbereitungsmechanismen kommen besonders
bei der Entmanganung mikrobiologische Prozesse zum tragen, was auch die längere
Einarbeitungszeit der Entmanganung gegenüber der Enteisenung erklärt.
- Im Gegensatz zu oberirdischen Aufbereitungsverfahren mittels Belüftung und Schnellfiltration
sind bei der sogenannten Insitu-Aufbereitung, mit Ausnahmen einer Anreicherungsstation, keine
weiteren oberirdischen Anlagenteile erforderlich, da der Grundwasserleiter als natürlicher
Aufbereitungsraum genutzt wird. Da Horizontalfilterbrunnen ergiebiger als Vertikalfilterbrunnen
sind, kann die Anlage bei gleicher Fördermenge mit weniger Brunnen betrieben werden. Neben dem
geringen Flächenverbrauch für oberirdische Anlagenteile müssen somit auch nur
kleinere Schutzzonen ausgewiesen werden. Diese Flächenminimierung stellt einen wesentlichen
Beitrag zur Lösung der Konfliktsituation mit den Landwirten dar.
- Das Verfahren der unterirdischen Wasseraufbereitung hebt sich weiterhin durch seine Flexibilität
bezüglich schwankender Rohwasserqualitäten hervor. Im Fall der Boker-Heide werden
sehr ungünstige und vorher nicht bekannte Rohwassermerkmale problemlos ohne Nachrüsten
beherrscht.
- Betriebstechnisch gesehen zeichnet sich das Verfahren durch seine Wartungsarmut und die Vermeidung von
Ablagerungen in Leitungen und Armaturen aus, so daß deren Standzeiten deutlich verlängert
werden. Weiterhin können die Reinigungsintervalle der Reinwasserbehälter verlängert
werden.
- Gegenüber herkömlichen Aufbereitungsverfahren fallen nur geringe Investitionskosten für
oberirdische Anlagenteile an. Auch die Betriebskosten liegen meist unter denen der anderen
Verfahren.
- Die in der Boker beobachtete Reduzierung der organischen Verbindungen weist auf weitere Anwendungsgebiete
der unterirdischen Aufbereitung hin. So konnte mit dem gleichen Verfahren bei einem anderen
Wasserwerk bereits ein unterirdischer Abbau von Arsen nachgewiesen werden.
Abschließend ist festzuhalten, daß die unterirdische Grundwasseraufbereitung bei geeigneten
Rahmenbedingungen eine sinnvolle und kostengünstige Alternative zu oberirdischen Verfahren darstellt.
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